Vergangenheit ist heute – die MJS zur Exkursion bei den Stasi-Unterlagen

Bedrückende Schicksale, ein erschreckendes System und viele ungeklärte Fragen bis heute: Anfang Oktober besuchten die Volontäre der Mitteldeutschen Journalistenschule die Behörde für die Stasi-Unterlagen in Chemnitz. Die Themen waren der Umgang mit empfindlichen Quellen sowie das journalistische Storytelling.

Die Veranstaltung begann mit einem sehr interaktiven Vortrag von Frau Sandra Buchler, Öffentlichkeitsarbeiterin der Außenstelle Chemnitz der “Birthler-Behörde”. Darin ging es um wichtige historische Entwicklungen und Grundlagen der früheren “Staatssicherheit”: Wie viele Menschen arbeiteten für die Behörde (in “besten Zeiten” rund 600.000 Offizielle und Inoffizielle Mitarbeiter)? Auf welcher Gesetzesgrundlage arbeitete die Stasi (quasi keiner)? Wem war sie verpflichtet und was tat sie ganz konkret?

Bereits da wurde klar, dass es noch viele unerzählte und dramatische Geschichten gab, die es allein aus dem Chemnitzer Umfeld zu erzählen gibt und die bis heute hineinreichen. Auch heute trennen sich noch Ehepaare, wenn herauskommt, dass der Gatte IM (Inoffizieller Mitarbeiter) war und es seiner Frau nie erzählte. Und auch heute geraten noch Opfer und Täter aneinander, da viele der ehemaligen Mitarbeiter, Offiziere und Parteimitglieder keine Schuld in ihrem Handeln erkennen können.

Die Aufgabe der Volontäre war es nach dem einführenden Vortrag und einer Führung durch die örtliche Ausstellung, sich selbst mit öffentlich verfügbarem Material auseinander zu setzen und daraus eine journalistische Geschichte zu entwickeln. Die besondere Herausforderung besteht dabei darin, sowohl faktisch korrekt und belegbar, als auch dramatisch und im positiven Sinne “unterhaltsam” zu formulieren, den Menschen hinter der Geschichte lebendig zu machen. Ein Beispiel haben wir dazu bereits in unserem Blog veröffentlicht: Julia Schönfeld schreibt über die Ermordung eines Jugendlichen am Grenzzaun.

Text und Foto: Marcus Jänecke. Beides unter der CC-Lizenz BY-NC-SA 3.0.

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