„Mittweida, wir müssen reden!“ Wie die Tagesschau mit Kritik umgeht

Die ARD-Tagesschau und Tagesthemen sind die meistgesehenen deutschen Nachrichtensendungen. Gleichzeitig sind die Journalisten Adressaten von heftiger Kritik bis hin zu blankem Hass. Wie die Macher der Tagesschau darauf reagieren, haben Dr. Kai Gniffke, Jan Hofer, Danko Handrick und Julia Kuttner im Rahmen einer offenen Gesprächsrunde gezeigt.

Sie würden Hetze betreiben, unsachlich berichten, Nachrichten verschweigen und unter den Teppich kehren – diese Vorwürfe hören ARD-aktuell Chefredakteur Dr. Kai Gniffke und seine Kollegen oft. In den Dialog darüber gehen sie auf einer sehr breiten Basis über soziale Medien. Online Diskussionen zu führen fällt allerdings oft schwer und viel zu schnell gehen die Kommentare auch unter die Gürtellinie. Deshalb versuchen die Macher der Tagesschau den Dialog mit dem Publikum immer weiter zu intensi-vieren. Zum Beispiel durch Formate wie „Sag‘s mir ins Gesicht”, wo Nutzer per Skype-Verbindung von Angesicht zu Angesicht mit den Machern ins Gespräch treten konnten.

Am 31. Mai 2018 ging es in Mittweida eine Stufe weiter. Im Rahmen einer offenen Gesprächsrunde, konnte das Publikum die Kritik direkt kommunizieren. Für die ARD-Mitarbeiter von großer Bedeutung, denn: „Wir haben in den vergangenen Jahren auch mit Aktionen wie ‘Sags mir ins Gesicht’ gemerkt, wie wichtig es ist, mit unserem Publikum den Dialog ‚Face to Face’ zu führen”, so Chefredakteur Dr. Kai Gniffke.

Er stellte sich zusammen mit Social-Media-Redakteurin Julia Kuttner, ARD-Korrespondent Danko Hand-rick und Tagesschau-Chefsprecher Jan Hofer im Rahmen der Veranstaltung “Tagesschau on Tour” den Fragen des Publikums in Mittweida. Denn in der Hochschule Mittweida arbeiten Master-Studenten gerade zusammen mit ARD-aktuell in einem Forschungsprojekt, im Zuge dessen auch das Pilotprojekt “Tagesschau on Tour” entstand.
So kam es im voll besetzten „Studio B” der Hochschule zu einer Diskussion über die Nachrichtenange-bote von ARD-aktuell.

Kritik gab es vor allem für die Berichterstattung über die neuen Bundesländer, die aus Sicht einiger Zuschauer in den letzten Monaten überwiegend negativ gewesen sei. Besonders aber auch für die Berichterstattung über Pegida. Ein Thema, das die Redaktion von ARD-aktuell viel beschäftigte. ARD-Korrespondent Danko Handrick konnte hier eine ganz persönliche Geschichte über den Umgang mit der „Lügenpresse“-Kritik der Pegida Anhänger erzählen. Auf einer Demo in Dresden sprach er zwei Anhänger an und lud sie ein, seine Arbeit beim MDR einen Tag lang zu begleiten. Ergebnis war immerhin, dass seine Gäste ihm am Ende des Tages bestätigten, dass sie keine „Lügenpresse“-Ansätze feststellen konnten.
Auch Chefredakteur Kai Gniffke äußerte sich während der Veranstaltung „Tagesschau on Tour“ zu dem Thema und räumte unter anderem Fehler in der anfänglichen Berichterstattung ein.

Doch Fehler passieren, wenn auch unbeabsichtigt. Wichtig ist jedoch, dass die Redaktion diese Fehler eingesteht, offen für Kritik bleibt und sie ernst nimmt. Denn schließlich ist Feedback wichtig und kann helfen, die eigene Arbeit zu verbessern. Es ist wichtig, dass sie weiterhin den direkten Austausch mit ihren Zuschauern sucht und die Arbeit transparenter macht – wie mit Formaten wie „Sags mir ins Ge-sicht“ oder eben „Tagesschau on Tour“.

Text: Maximilian Rohloff

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