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01Leben

Die Gießkanne als Geheimwaffe für pflegende Angehörige

Pflegende Angehörige stehen oft vor großen Herausforderungen. Die Gießkanne kann dabei nicht nur im Garten helfen, sondern auch bei der psychischen Entlastung der Pflegekraft.

Maximilian Schneider22. Juli 20262 Min. Lesezeit

Auf der Fensterbank stehen die Pflanzen dicht gedrängt, einige mehr schlecht als recht. Ein schüchterner Sonnenstrahl kämpft sich durch das Glas, und selbst die hängenden Kräuter scheinen in ihrer grünen Einöde zu versauern. Die Gießkanne, trotz ihrer staubig-vergessenen Existenz, steht bereit und wartet darauf, ihr Wasser zu spenden. Ein schwerfälliger Griff, dann ein leises Plätschern. Eine Handvoll gesunder Erde, die feucht und lebendig wird, während das Leitungswasser als kleine Lebensader fungiert. Es ist ein einfacher, aber geradezu kathartischer Akt, der mehr als nur Pflanzen zum Blühen bringt.

Aber was hat eine Gießkanne mit der Pflege von Angehörigen zu tun? Es stellt sich heraus, dass diese scheinbar banale Metapher für die Selbstpflege von Pflegenden von Bedeutung ist. Oft sind es die kleinen, alltäglichen Dinge, die den Pflegealltag prägen und die Möglichkeit bieten, den eigenen Bedürfnissen Gehör zu verschaffen. Die Gießkanne steht hier symbolisch für die nötige Selbstfürsorge, die viele pflegende Angehörige sträflich vernachlässigen.

In der Rolle des pflegenden Angehörigen wird oft vergessen, dass man nicht nur für die Gesundheit und das Wohlbefinden anderer verantwortlich ist, sondern auch für das eigene. Das ständige Geben kann schnell zu einem Gefühl des Ausgelaugtseins führen. Ein unermüdlicher Kreislauf aus Versorgung und Entbehrung, der die eigene Lebensqualität beeinträchtigt. Die Gießkanne erinnert uns daran, dass es auch um uns selbst geht. Die Pflegekräfte müssen darauf achten, wie sie sich selbst "gießen" – sei es durch kleine Pausen, entspannende Aktivitäten oder einfach durch das Ausdrücken von Gefühlen, die sonst in einem Meer von Verantwortlichkeiten untergehen.

Wenn wir uns die Gießkanne als Symbol für Selbstfürsorge zunutze machen, erkennen wir die Bedeutung von Auszeiten, selbst wenn diese nur kurz sind. Ein paar Minuten in der Natur oder das einfache Genießen eines Tee können Wunder wirken. So wie die Erde Wasser benötigt, um zu gedeihen, so braucht auch der pflegende Angehörige Zeit für sich selbst, um weiterhin geben zu können.

Schließlich steht die Gießkanne weiterhin bereit auf der Fensterbank. Die Pflanzen haben es besser, seit sie regelmäßig gegossen werden; sie wachsen und blühen, so wie auch die Pflegekräfte blühen können, wenn sie sich selbst die nötige Liebe und Aufmerksamkeit schenken. Ein einfaches Werkzeug kann also nicht nur eine Pflanzenwelt, sondern auch die Welt der pflegenden Angehörigen erhellen, wenn sie bereit sind, es in die Hand zu nehmen.

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