Freibadzeit

Endlich ist es wieder soweit. Nach langer Zeit öffnet das Weender Freibad wieder seine Tore. Für mich ein absolutes Highlight, denn mit dem Freibad verbinde ich viele tolle Sommer in meiner Stadt.

Die Sonne strahlt mir ins Gesicht und ich kann die Nachricht kaum auf meinem Handy erkennen. „Bin in 5 Minuten da, musste noch schnell mein Fahrrad aufpumpen, lass uns einfach vorm Eingang treffen.“ „Kein Ding.“, schreibe ich zurück, „Machen wir so.“ Ich muss schmunzeln. Alles beim Alten.
Ich stecke mein Handy wieder ein, schiebe mein Fahrrad zum Fahrradständer und schließe es an. Im Hintergrund höre ich schon das freudige Schreien einiger Kinder, Wasserplatschen und irgendein Gebrabbel aus dem Megafon des Bademeisters. Ich schultere meinen Rucksack und mache mich auf den Weg zum Eingang. Endlich wieder Freibadzeit.

Es ist August, es sind Semesterferien, es ist wahnsinnig heiß und nachdem wir uns etliche Monate nicht sehen konnten, wollte ich mich mit meinem Freund Malte im Freibad treffen. Nach langer Zeit mal wieder. Denn bis vor kurzem war das hier noch eine riesige Baustelle. Ursprünglich sollte das Freibad im Rahmen eines Entschuldungshilfeprogramms sogar geschlossen werden. Das war 2009. Zur Begründung zählte damals auch, dass es in Göttingen noch zwei andere Freibäder gibt. Einmal im Bezirk Grone und in der Südstadt am Brauweg.
Am liebsten waren wir aber immer im Weender Freibad. Zum einen war es genau so groß wie das im Brauweg, hatte eine große Rutsche und einen Sprungturm mit 10-Meter Brett und zum anderen war es quasi direkt vor der Haustür.
Seit der zweiten Klasse wohne ich in Weende und ein Besuch des Weender Freibads gehörte seit jeher mit dazu. Mit meinen Grundschulfreunden, meinen beiden Geschwistern, meinen Freunden vom Fußball und später auch mit denen vom Gymnasium.

Weende liegt im Norden der Stadt und ist mit rund 18. 000 Einwohnern einer der einwohnerreichsten Stadtteile Göttingens. Ich lebe mit meiner Familie genauer in Altdorf. Wir wohnen im Pfarrhaus direkt an der St. Petri Kirche, in der mein Vater als Pastor arbeitet. Daneben liegt die Grundschule, in der meine Mutter unterrichtet. Auch viele meiner Schulfreunde wohnen in Weende. So auch Malte, mit dem ich zusammen auf dem Gymnasium war.
Da kommt er auch schon. Ein wenig verschwitzt vom schnellen Fahren, den Rucksack noch in der Hand. Wir kaufen uns Karten, gehen rein und suchen uns einen Platz zum Ausbreiten. Während wir über das Gras schlendern und uns gegenseitig auf den neuesten Stand bringen, schweift mein Blick durch das Freibad.

Auf den ersten Blick fallen mir die neuen Schwimmbecken auf, in denen das türkisgrüne Wasser in der Sonne glitzert. Sie sind etwas kleiner geworden, manche haben einen Sandboden

bekommen und aus dem einen Becken ragt eine neue Kletterwand heraus. Das Wichtigste aber: Der Sprungturm und die Rutsche sind erhalten geblieben und wurden sogar saniert.

Das hätte vor ein paar Jahren keiner für möglich gehalten. Kurz nachdem bekannt wurde, dass die Stadt das Weender Freibad schließen wollte, hatte es massive Bürgerproteste gegeben, unter denen auch ich mit Familie und Freunden für den Erhalt des Weender Freibads gekämpft habe. Mit der Folge, dass es nicht mehr geschlossen, dafür aber komplett neugestaltet werden sollte – ohne Sprungturm, ohne Rutsche – als Teich in einer Parkanlage. Der restliche Platz sollte neuen Wohnhäusern weichen.

Letztendlich schaffte es der Förderverein des Weender Freibads jedoch durch weitere Proteste und eine Menge an Spendengeldern, dass Rutsche und Sprungturm saniert werden konnten und neue Pläne für das Freibad ausgearbeitet wurden.

Und es ist wirklich schön geworden. „Lass mal gleich direkt rutschen gehen, bisschen stauen und so und danach in die anderen Becken“, reißt mich Malte aus meinen Gedanken. Ich muss schon wieder leicht schmunzeln. Bis auf das Freibad hat sich hier zum Glück nichts geändert.

 

Fotos: Helmut Latermann (vom Förderverein Freibad Weende e.V.)

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